Mit dem Wohnmobil durch BeNeLux (2018) – Tag 3 (B: Brügge)

Ich habe sie gehört, die gesamte Odyssee über 115km, von den Niederlanden nach Belgien – die Sirenen von Leonidas. Gefunden haben wir sie auch, doch wir waren stark und noch nicht drin. Dafür waren wir in einem anderen Süßwarenladen, aber der Reihe nach.

Wir haben heute länger geschlafen als sonst, waren aber später dran als gestern. Nach einem gemütlichen Frühstück haben wir unser Zuhause nochmal komplett reisefertig gemacht. Das bedeutet Grauwassertank sowie Toilette leeren, Frischwasser auffüllen und von der Steckdose auf Batterien wechseln. Das klingt lange, dauert aber zusammen maximal 10 Minuten.

Nach dem auschecken auf dem Campingplatz hieß es dann Abschied nehmen von den Niederlanden und der Nordseeküste und es ging direkt Richtung Brügge in Belgien. Unterwegs haben wir festgestellt, das die Niederländer mit ihren Autobahnauffahrten nicht nur die Probleme der notorischen Linksfahrer beheben und das einfädeln erleichtern, sie bauen auch die besseren Kreisel. Zu 80% zweispurig, einmal für die erste und zweite Ausfahrt, einmal für die zweite und dritte Ausfahrt bzw. die komplette Wende. Das ermöglicht mehr PKWs im Kreisel und macht das blinken beim ausfahren, das bei uns so gerne vergessen wird, obsolet.

Der Grenzübergang von den Niederlanden nach Belgien war kaum zu erkennen. Lediglich ein Schild zwischen zwei Häusern einer Ortschaft und der abrupte Wechsel der Straßenlaternen, zeugten von dem Wechsel der Grenze. Beeindruckend wie eng manche Länder in der EU schon zusammen gewachsen sind.

In Brügge angekommen, haben wir heute statt eines Campingplatzes einen Wohnmobilhafen angesteuert. Ein ebener Platz, mit Frischwasser und Strom, sowie Abwasser- und Toilettenentsorgung. Mehr braucht man eigentlich nicht und sogar das nichtmal täglich. Einziges Manko, hier gibt es kein WLAN, aber das habe ich von Zuhause mitgenommen ;)
Besonders toll ist jedoch, das der Wohnmobilhafen nur knappe 1,1km von Stadtzentrum entfernt ist. Also runter mit den Rädern und rauf aufs Rad. Das ist übrigens etwas, was mir vorher garnicht bewusst war. Eine Stadt mit dem Rad, statt mit der Metro, zu Fuß, dem Hop in Hop Off Bus oder einem Mix aus den letzten dreien, zu erkunden, ist phantastisch. Man sieht mehr, ist schneller und kommt dennoch mitten durch. Zudem ist es günstiger und unweltfreundlicher. Mittlerweile muss ich sagen, die Kombination aus Wohnmobil und Fahrrad ist sowohl für einen Städtetrip, als auch für einen Roadtrip und auch für einen Strandurlaub genial. Und wer nicht kochen möchte, kann essen gehen oder sich beliefern lassen.

Na ja, Brügge jedenfalls ist absolut sehenswert. Eine wunderschöne Stadt, die sich den verklärten Charme des Mittelalters bewahren konnte, einen Hauch von britischer Vorstadt besitzt und gleichzeitig Drehort für Harry Potter hätte sein können.

Neben vielen kleinen Cafés mit großen Preisen (Cappuccino 5 EUR, großartiges belgisches Bier 5,50 EUR, Vanilleeis mit Sahne und Erdbeeren 10,50 EUR), drei große Kirchen/Kathedralen und dem Fluss mit seinen Nebenarmen, gibt es auch noch viele kleine Details wie den alten Fischmarkt oder das älteste erhaltene Krankenhaus der Welt (siehe folgende Bilder).

Der Satz des Tages kommt jedoch von Leon. Die Kathedralen sind beeindruckend, sehr schön restauriert (bis auf einen Taufraum der bewusst konserviert wurde).

In einer der Kirchen befanden sich zwei Schreine, einer davon komplett aus Silber, der andere mit einem extrem hohen Goldanteil. Leon, der bereits müde würde, saß auf meinen schultern und sah sich interessiert um. Neben uns ein deutscher Tourist mit Spiegelreflexkamera der gerade versuchte die Stelle mit der perfekten Perspektive und der perfekten Beleuchtung zu ermitteln, befand sich neben uns. Ich drehte mich gerade um und wollte gehen, da schaute Leon nochmal den Touristen an und sagte ganz trocken und aus dem Nichts heraus: Das ist alles nur aus Plastik! Ob der Tourist seine Bilder von den Schreinen dann noch gemacht hat, weiß ich nicht. Wir haben welche.

Wir haben unseren Rundgang dann mit einer wunderschönen, knapp dreißigminütigen Bootstour und einem Bier am Marktplatz beendet.

Den Tag beendeten wir dann mit einem leckeren Essen zuhause.

Bevor wir uns gleich zur Nachtruhe betten und uns der morgige Tag nach Lüttich führt, beende ich den heutigen Blogbeitrag mit ein paar Bildern, von denen ich sonst nicht gewusst hätte, wohin.

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